Beschneidung: nicht immer aus religiösen Gründen

In der Religion ist die Beschneidung schon lange ein Thema, doch in der Regel waren nur die Männer und Jungen betroffen. Immer häufiger werden heute jedoch auch Frauen beschnitten, was jedoch eher einer Folter, denn etwas anderem gleicht.

Beschneidung nicht nur als religiöser Hintergrund

Waren es einst vor allem die Juden und Christen, die die Beschneidung als erstrebenswert ansahen, hat sich das Bild im Laufe der Jahre immer weiter gewandelt. Aus England wurde der Trend nach Amerika gebracht. Dort war es bis in die 1970er Jahre sogar so, dass fast 90 Prozent der Jungen beschnitten wurden.

Allerdings birgt die Beschneidung Mann genauso einige Risiken, so dass der Trend zurück geht. Oft ist eine Beschneidung auch überhaupt nicht notwendig. Bei der Vorhautverengung kann die Beschneidung des Mannes Abhilfe schaffen, doch hier können auch erst einmal andere Methoden ausprobiert werden. Obwohl viele Männer nach der Beschneidung das Gefühl haben, ihnen fehle etwas, entscheiden sich auch in Europa immer mehr Menschen dafür, eine Beschneidung durchzuführen. Zumeist werden ästhetische und hygienische Gründe als Entscheidungskriterium angegeben.

Beschneidungsablauf bei Mann und Frau

Unterschieden werden muss bei der Beschneidung Mann zwischen der vollständigen und teilweisen Entfernung der Vorhaut. Die Beschneidung selbst erfolgt bei Erwachsenen unter lokaler Betäubung und ambulant. Kindern sollten in jedem Fall eine Vollnarkose enthalten. Bei der teilweisen Vorhautbeschneidung gibt es die Plastic-Bell-Methode. Hierbei wird ein Teil der Vorhaut eingeschnitten und eine Art Glocke über die Eichel gestülpt. Danach wird die Vorhaut am Rand der Glocke abgebunden, es findet keine Durchblutung mehr statt. Nach wenigen Tagen wird die Vorhaut schwarz und fällt ab. Insbesondere bei Kindern kommt diese Methode zum Einsatz.

Soll die Vorhaut vollständig entfernt werden, wird sie von der Eichel gelöst und dann eingeschnitten. Somit entstehen Wundränder, die wieder mit selbst auflösenden Fäden zusammen genäht werden.

Bei der weiblichen Beschneidung gibt es ebenfalls verschiedene Formen. Hier kann die Klitoris oder deren Vorhaut beschnitten werden, ebenfalls können die kleinen Schamlippen und die vollständig sichtbare Klitoris entfernt werden. Abgesehen davon besteht die Möglichkeit einer künstlichen Verengung des Vaginaleinganges, begründet durch das Beschneiden der Schamlippen und deren späteres Zusammennähen. Scharfe Kritik wird an dieser Form der Beschneidung Frau geübt, da sie eher einer Verstümmelung dient. Zudem gibt es fast nie medizinische Gründe dafür.

Notwendige Beschneidung aus medizinischer Sicht

Die Beschneidung kann beim Mann immer dann medizinisch indiziert sein, wenn eine Vorhautverengung oder Phimose vorliegt. Das heißt, dass sich die Vorhaut nicht mehr über die Eichel schieben lässt. Da hierbei auch Probleme mit der Hygiene entstehen und die Vorhaut zu Entzündungen neigt, die im schlimmsten Falle gar die Eichel beeinträchtigen können, ist eine Beschneidung medizinisch angeraten. Allerdings sollte das Ganze vorher mit einem Arzt abgeklärt werden, denn Alternativen gibt es ebenfalls.

Vor- und Nachteile

Die Vorteile der Beschneidung Mann liegen klar auf der Hand: Sie können den Penis besser sauber halten. Außerdem gehen Experten davon aus, dass die Innenseite der Vorhaut anfällig für den Eintritt von HI-Viren ist. Damit sind beschnittene Männer besser vor AIDS geschützt. Ebenso verringern sich die Risiken für Peniskrebs und Harnwegsentzündungen und damit auch für Nierenerkrankungen.

Als Nachteile berichten einige Männer von einer Beeinträchtigung des Gefühls beim Sex. Doch dies ist jeweils Empfindungssache, da andere von längerer Ausdauer und intensiveren Orgasmen berichten.

Heilungsprozess

Der Heilungsprozess dauert etwa zehn bis 14 Tage. Innerhalb dieser Zeit klingen die offensichtlichen Wunden ab. Allerdings können leichte Schwellungen entstehen, hier helfen Schmerzmittel jedoch sehr gut. Desinfizierende Sitzbäder sollten Männer nutzen, um die Abheilung besser unterstützen zu können. Ebenfalls kann man nach etwa drei bis vier Monaten beschwerdefrei sein und auch sexuell wieder aktiv werden. In der ersten Zeit werden aber oft Gleitmittel benötigt, da der Penis noch recht empfindlich ist.

 

Auswirkungen auf das Sexualleben

Rein theoretisch hat die Beschneidung Mann keine Auswirkungen auf die Sexualität. Dennoch berichten einige Männer von intensiveren Orgasmen und einer besseren Ausdauer im Bett. Auch Frauen gaben in Umfragen an, dass sie einen Penis nach der Zirkumzision hygienischer und erotischer fanden.

Risiken

Wie jede OP kann auch die Zirkumzision nicht alle Risiken ausschließen. Allerdings treten in der Regel nur leichte Komplikationen auf, die einfach behandelt werden können. Nachblutungen sind recht selten, sie können problemlos mit einem Druckverband versehen werden. Wird nur eine Teilbeschneidung vorgenommen, so kann es nach einiger Zeit erneut zur Vorhautverengung kommen. In sehr seltenen Fällen könnten auch Harnröhre und Eichel verletzt werden.

Kosten und Kostenübernahme

Die Kosten für eine Beschneidung belaufen sich auf etwa 200 bis 700 Euro, das kann jedoch im Einzelfall auch sehr stark variieren. Die Übernahme der Kosten durch die Krankenkasse ist grundsätzlich möglich, allerdings nur, wenn diese medizinisch notwendig ist. Eine Zirkumzision aufgrund ästhetischer oder religiöser Gründe wird nicht übernommen.

Diese Themen könnten Sie auch interessieren