Qi Gong

Qigong oder auch Qi Gong genannt, ist ursprünglich einer von verschiedenen Bestandteilen der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) und wird in China auch heute noch zu Präventions- und Heilzwecken genutzt. Die Grundgedanken der TCM, die beim Qigong angewandt werden, stammen ursprünglich aus dem Taoismus und dem Buddhismus. Bereits 500 v.Chr. wurde das alte Heilwissen von Sheng Nung, dem Roten Kaiser, in einem Buch zusammengefasst. Es gilt noch immer als Grundlage der chinesischen Medizin.

Die TCM beruht im Wesentlichen auf der Anwendung von Heilkräutern, Akupunktur (Behandlung mit Nadeln), der Ernährung nach den 5 Elementen und eben aus Qigong (Körper- und Atemübungen).

„Qi“ ist die strömende Lebensenergie

Jeder Mensch wird nach dem Verständnis der TCM mit einem angeborenen Vorrat an Lebensenergie geboren, den er im Laufe seines Lebens abbaut. Ist das Qi endgültig verbraucht, stirbt der Mensch. Die Menge an angeborenem Qi ist nicht beeinflussbar, wohl aber das Tempo, in dem diese Lebensenergie sich sozusagen „abnutzt“.

Eine gewisse Energiemenge kann hinzugewonnen werden und schont das Reservoir des angeborenen Qi. Die Achtsamkeit im Umgang mit sich selbst und eine gesunde Lebensführung sind nach chinesischer Auffassung grundlegende Voraussetzungen für ein langes Lebens.

Yin und Yang

Eine der ältesten Grundlagen der chinesischen Philosophie, auf der auch das Heilwissen der TCM beruht, ist die Einteilung in Yin und Yang. Aus einem gemeinsamen Ursprung – nämlich dem Tao – stammend, verkörpern sie die allem inne wohnenden Gegensätze. So steht Yin für das Passive, Dunkle, Kalte, die Nacht und den Winter. Yang hingegen symbolisiert Aktivität, Helligkeit, Wärme, den Tag und die Sonne. Qi (also die Energie) bildet die Yang-Wurzel des Menschen.

Für die Gesundheit ist es unerlässlich, dass Yin und Yang in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen. Denn das Eine geht nicht ohne das Andere. Sind Yin und Yang ausgeglichen, werden auch die Selbstheilungskräfte des Körpers aktiviert. Das gilt enefalls für die seelische und geistige Gesundheit, denn der chinesischen Medizin liegt immer eine ganzheitliche Sichtweise des Menschen zu Grunde.

Qigong als Zusammenspiel von Körper, Geist und Seele

Diese ganzheitliche Ausrichtung gewinnt auch in der westlichen Medizin immer mehr an Bedeutung: Der starke Zusammenhang zwischen Körper, Geist und Seele ist inzwischen experimentell nachgewiesen, und die reine Reduzierung der Medizin auf die Betrachtung isolierter Krankheitssymptome nicht mehr zeitgemäß. Erstrebenswert ist also eine Harmonie zwischen Yin und Yang, eine Balance aller Aspekte des Seins.

Der gesundheitliche Aspekt beim Qigong

Qigong soll dafür sorgen, dass bestehendes Ungleichgewicht von Yin und Yang wieder behoben wird und das Gleichgewicht dauerhaft erhalten bleibt. „Gong“ steht für Üben. Nur regelmäßiges Üben bzw. die kontinuierliche Wiederholung bestimmter Übungen und Übungsfolgen garantieren die Wirksamkeit. Das Üben wird nach und nach zu einem inneren Bedürfnis und festen Bestandteil des Alltags.

Qigong werden viele gesundheitlich positive Wirkungen zugeschrieben: Neben der allgemeinen Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden sollen die Selbstheilungskräfte angeregt werden, das Immunsystem gestärkt, die Beweglichkeit gesteigert und die Konzentrationsfähigkeit optimiert werden. Gleichzeitig tritt ein ausgeprägter Entspannungseffekt ein und die Stimmungslage wird verbessert. Auch auf zahlreiche Zivilisationskrankheiten wie Bluthochdruck, Rheuma, Rückenbeschwerden oder allgemeine Erschöpfung kann ein positiver Einfluss erwartet werden.

Naturheilverfahren

In unseren westlichen Regionen wird Qigong im Allgemeinen noch nicht gezielt durch Ärzte zu Heilung genutzt. Ausnahme bilden hier die TCM-Ärzte (Ärzte für Naturheilverfahren), die alternativen Verfahren aufgeschlossen gegenüber stehen. Also steht hier zurzeit noch der Wellness- oder Fitnessgedanke im Vordergrund. Entspannung und geistiges „Zur-Ruhe-Kommen“ sind meist die Motive, an Qigong-Angeboten teilzunehmen.

Da die Wirksamkeit zwar nicht unbedingt exakt wissenschaftlich erfasst ist, aber die Erfolge nicht bestritten werden können, sind qualifizierte Qigong-Kurse heute auch als Präventionsprogramm durch die Krankenkassen anerkannt und werden den Teilnehmern bezuschusst.

Durchführung von Qigong

Qi Gong Übungen

Qigong besteht aus relativ einfachen, langsamen Übungen, die im Stehen oder im Sitzen, manchmal auch im Liegen, durchgeführt werden. Jede Übung wird in einer bestimmten Anzahl wiederholt, mehrere Übungen setzen sich zu Übungsfolgen zusammen. Der Atem fließt dabei in einem Zusammenspiel mit der Bewegung.

Die völlige Konzentration auf den Übungsablauf und die Atmung klären den Geist und lassen für die Zeit des Übens kaum andere Gedanken zu. Das führt nicht nur zu einer körperlichen, sondern auch zu einer geistigen und emotionalen Entspannung.

Qigong ist für jeden Menschen geeignet, egal ob jung oder alt, aktiv oder untrainiert. Vorkenntnisse irgendeiner Art sind nicht erforderlich. Lediglich die Bereitschaft, sich einer zunächst fremdem Gedankenwelt zu stellen und unvoreingenommen mitzumachen, ist gefordert.

Verschiedene Qigong Übungen und Arten

Es gibt eine große Vielfalt an Qigong-Stilen und Qigong-Übungen: mehr als 1.000 unterschiedliche Übungsarten sind heute bekannt, viele davon nur mündlich überliefert. Hauptgruppen sind kurze Übungen, lange Übungsreihen, Qigong-Gehen oder Stilles Qigong. Am bekanntesten sind die Brokatübungen, die 18 Übungen des Taiji-Qigongoder das Kranich-Qigong. Sie werden meist als Wellness- und Entspannungsübungen eingesetzt.

Die meisten Übungen und Übungsreihen dienen jedoch ursprünglich therapeutischen Zwecken, wobei teilweise auch eine konkrete medizinische Zuordnung erfolgt:

Das 5-Organe-Qigong beispielsweise soll heilend und vorbeugend auf Lunge, Niere, Leber, Milz und Herz einwirken.

Das Chan Mi Qigong wiederum dient der Gesundheit von Rücken, Kopf, Magen und Darm sowie dem Lösen emotionaler Blockaden.

Andere Übungen entstammen eher der alten Kampfkunst.

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