Untersuchung einer Narbe

Fast jeder Mensch kennt die Narben, die sich nach mehr oder minder starken Verletzungen, bei Verbrennungen und Schnitten oder nach Operationen gebildet haben. Bei der Wundheilung kommt es dann zu Narben, die kleiner oder größer ausfallen können. Charakteristisch sind hierbei Gewebe, die weißlich verfärbt, faserreich und derb sind. Zudem finden sich in dem Gewebe nur wenige Gefäße und Zellen. Durch die Narbenbildung wird das ursprüngliche Körpergewebe ersetzt, welches durch die Verletzung zerstört wurde.

 

Bei einer guten Narbenverheilung liegt das Narbengewebe in einer Höhe mit der restlichen Haut, in einigen Fallen kann es auch darüber hinaus ragen. Hier spricht man dann von einer überschießenden Narbenbildung oder der hypertrophen Narbe. Im Gegensatz dazu stehen die mangelnde Narbenbildung oder atrophe Narben. Diese Narben liegen unterhalb der Haut.

Neben der ästhetischen Störung, die durch Narben entsteht, kann es durch diese auch zu Einschränkungen in der Bewegungsfreiheit kommen, sollten die Narben in unmittelbarer Nähe der Gelenke angesiedelt sein. In diesen Fällen kann man mit einer Narbenbehandlung gute Ergebnisse erzielen.

Wie Narben entstehen

Nach einer OP oder Verbrennung kommt es regelmäßig zur Narbenbildung. Hierbei muss man sich erst einmal den Aufbau der menschlichen Haut näher betrachten, die aus drei Schichten, der Oberhaut, der Lederhaut und der Unterhaut besteht. Bei kleineren Verletzungen, die nur die Oberhaut betreffen, können die Wunden mit Hilfe verschiedener Regenerationsprozesse wieder verschlossen werden. Dabei werden die Wunden mit gleichartigen Zellen verschlossen, sodass keine Narbe sichtbar wird. In diesen Fällen ist auch häufig die Rede von einer vollständigen Regeneration.

Wird nun allerdings nicht nur die Oberhaut durchtrennt, sondern geht die Wunde bis in die tiefere Lederhaut, so wird das gefäßreiche Bindegeweber zerstört. Dieses ist für den Ersatz der Zellen auf der Wunde zuständig, sodass diese nicht mehr vollständig verschlossen werden kann. Die Wunde wird dann durch minderwertiges Gewebe verschlossen, welches deutlich weniger durchblutet und auch unelastischer ist. Das heißt, hier entstehen sichtbare Narben, die zunächst einmal leicht erhöht liegen und rötlich verfärbt sind. In der Regel verblassen die Narben mit der Zeit und gleichen sich der Höhe des umliegenden Gewebes an.

Die Narbenbehandlung

Feuchte Wundbehandlung

Bereits wenn die Wunde entsteht und mit einer Narbenbildung zu rechnen ist, kann die rechtzeitige Narbenbehandlung die Entwicklung der einzelnen Narben durchaus positiv beeinflussen. Hier ist insbesondere die feuchte Wundbehandlung zu nennen, die den natürlichen Wundheilungsprozess unterstützen soll.

Dabei werden Verbände oder Pflaste auf die Wunde gegeben, die mit einer speziellen Wundauflage versehen sind. Diese wiederum sorgt dafür, dass die Wundflüssigkeit nicht austrocknen kann. In der Wundflüssigkeit sind wichtige Enzyme und Hormone vorhanden, die dafür sorgen, dass die Bildung neuer Zellen angeregt wird. Durch die Anwendung der feuchten Wundbehandlung können diese Substanzen länger in der Wunde wirken, sodass die Neubildung der Zellen besser angeregt werden kann.

Ebenfalls kann die feuchte Wundbehandlung dafür Sorgen, ein Infektionsrisiko zu minimieren. Zudem kann sich unter den Verbänden kein Schorf bilden, der die Bildung neuer Zellen stören würde. Auch ein Verkleben von Wunde und Wundauflage ist nicht gegeben, sodass hier keine Gefahr besteht, dass neu gebildete Zellen beim Abnehmen des Pflasters oder Verbandes wieder zerstört werden.

Die Wundheilung selbst kann durch die feuchte Wundbehandlung erheblich beschleunigt werden, und auch die Bildung überschießenden Narbengewebes wird dadurch verhindert.

Narbenpflege

Auch die Narbenpflege gehört in den Bereich der Narbenbehandlung, da sie die Narbenbildung positiv beeinflussen kann. Dabei ist es wichtig, dass man sich an die Vorgaben des Arztes hält. Wenn dieser keine genauen Aussagen darüber trifft, welche Vorgehen vermieden werden sollen, können frische Narben mit klarem Wasser gereinigt werden. Auf die Behandlung mit Seifen sollte allerdings bei frischen Narben verzichtet werden. Der Schorf sollte hingegen nicht entfernt werden, da er der Wundheilung dient und mit der Zeit von selbst abfällt. Nach der Reinigung der Wunde sollte man diese also nur leicht abtupfen.

Auch ist darauf zu achten, dass man bei frischen Narben starke Temperaturreizungen wie Hitze oder Kälte vermeidet. Ebenfalls sind starke Sonneneinstrahlung und Sauna- oder Solariumbesuche unbedingt zu vermeiden, da sie sich negativ auf die Bildung des neuen Gewebes auswirken können.

Auch die Kleidung muss so gewählt werden, dass sie nicht zu eng anliegt und somit die frischen Narben gereizt werden. Beim Sport und dem vorherigen Dehnen sollte man keine zu großen Anstrengungen durchführen, um die frischen Narben nicht negativ zu beeinflussen.

Narbenpflaster

Ebenfalls kann man Narbenpflaster zur Narbenbehandlung einsetzen. Hierbei können diese sowohl bei frischen, als auch bei alten Narben angewendet werden. Insbesondere eignen sie sich für die Narbenbehandlung bei hypertrophen Narben, also dem wuchernden Narbengewebe sehr gute Wirkungen erzielen. Vorbeugend werden die Narbenpflaster vor allen Dingen nach der Entfernung von Leberflecken, Muttermalen oder Warzen angewendet. Dabei soll eine hypertrophe Narbenbildung verhindert und der Heilungsprozess unterstützt werden.

Die Narbenpflaster bestehen dabei aus Polyurethan, einem Stoff, der atmungsaktiv und wasserdampfdurchlässig ist. Dadurch werden die Stoffwechselprozesse angeregt und die Regeneration der Haut wird gefördert, weil ein entsprechendes Hautklima geschaffen wird. Außerdem arbeiten die Narbenpflaster mit einem leichten Druck auf das Gewebe, sodass dieses elastischer wird. Nebenwirkungen sind hier nicht bekannt, zumal die Narbenpflaster auch keine pharmazeutischen Wirkstoffe enthalten. Dadurch können die Narbenpflaster zur Narbenbehandlung auch bei sehr empfindlichen Personen mit Allergien, bei Kindern oder während der Schwangerschaft angewendet werden.

Nur wenn die Narbenpflaster an Gelenken, die viel bewegt werden, eingesetzt werden, etwa dem Knie oder dem Ellenbogen, müssen zusätzliche Fixierstreifen verwendet werden, um ein Verrutschen zu verhindern. Diese können in einigen Fällen zu Hautreizungen führen.

Die Narbenpflaster können sofort nach der abgeschlossenen Wundheilung auf die Wunde aufgebracht werden. Dabei darf kein Schorf mehr vorhanden sein und auch die Fäden nach einer OP müssen bereits gezogen worden sein. Sie müssen mindestens 12 Stunden auf der Wunde bleiben, sollten spätestens nach 24 Stunden aber auch gewechselt werden. Die Narbenbehandlung mit diesen Pflastern dauert meist bis zu zwei Monate, wobei es immer auf die individuelle Hautbeschaffenheit und die Narbenstruktur ankommt. Während dieser Zeit darf die Narbenbehandlung nie länger als 12 Stunden unterbrochen werden, um für einen andauernden Regenerationsprozess zu sorgen.

Die Narbenbehandlung mit den Pflastern eignet sich allerdings nicht bei großflächigen Narben, wie sie nach Verbrennungen entstehen und bei Narben, die unter dem Hautniveau liegen.

Gels und Salben zur Narbenbehandlung

Auch mit Narbengels und -salben kann eine Narbenbehandlung durchgeführt werden. Sie sorgen für eine geringere Rötung der Narben und lindern den Schmerz und Juckreiz, der von diesen ausgeht. Außerdem verhindern sie das Wachstum von wucherndem Narbengewebe. Bei dieser Form der Narbenbehandlung sollte man die Salben oder Gelds mindestens zweimal täglich auf die Narbe auftragen und in diese einmassieren. Zusätzliche kann ein Salbenverband über Nacht für eine bessere Heilung sorgen, was insbesondere bei der Narbenbehandlung von alten Narben sinnvoll ist. Auch hier muss man darauf achten, dass die Narbenbehandlung erst dann begonnen werden kann, wenn die Fäden gezogen wurden oder die Wundränder vollständig geschlossen sind.

 

Mobilisierung von Narben

Insbesondere bei Narben nach einer OP hat sich die Mobilisierung der Narben als Form der Narbenbehandlung durchgesetzt. Dabei wird das Narbengewebe durch einen Physiotherapeut massiert. Bei dieser Massage wird das Narbengewebe vom darunter liegenden Gewebe gelöst, sodass das Narbengewebe nicht schrumpfen kann. Außerdem sorgt das sanfte Ziehen und Streichen als Reiz für die Umwandlung in funktionstüchtige Zellen. Auch hier gilt, die Behandlung kann erst nach Abschluss der Wundheilung einsetzen.

Narbenbehandlung mit Spritzen

Ebenfalls hat sich die Narbenbehandlung mit Spritzen durchgesetzt. Bei hypertrophem Narbengewebe werden Glukokortikoiden eingespritzt, die für eine Reduzierung der Bindegewebsproduktion sorgen. Als Ergebnis wird die Haut flacher und geschmeidiger.

Bei atroophen Narben, die unter der Haut liegen und kleine Dellen verursachen, kann man Kollagen einspritzen, um diese aufzufüllen.

Kompressionsverband

Der Kompressionsverband hingegen eignet sich vorrangig für großflächige Verletzungen und Verbrennungen. Wird der Verband rechtzeitig angelegt, kann er für ein deutlich besseres Ergebnis bei der Narbenbildung sorgen.

Als Kompressionsverband dienen neben elastischen Binden auch spezielle Kleidungsstücke, die der Patient meist über mehrere Monate hinweg tragen muss. Starke Überdehnungen der Wundbereiche, die die Ursache für die Bildung überschießenden Narbengewebes aufgrund häufiger Bewegungen sind, werden dadurch vermieden. Kontinuierlich wird auch ein Druck auf das Gewebe ausgeübt, welcher dafür sorgen soll, dass sich wirklich funktionstüchtiges Gewebe bildet.

Operative Korrektur

Auch eine Operation dient zur Narbenbehandlung. Diese kommt häufig bei hypertrophen Narben in Frage, die als ästhetisch störend befunden werden oder auch eine funktionelle Beeinträchtigung des Körpers oder der Bewegungen beinhalten. Das Narbengewebe selbst wird bei der OP entfernt, die Wunde danach vernäht. In einigen Fällen kann sie auch mit einem Hauttransplantat verschlossen werden. Die OP sollte dabei aber erst dann stattfinden, wenn die Narben sich bereits hell gefärbt haben.

Schwierig wird die operative Narbenbehandlung bei Keloiden, also dem wuchernden Narbengewebe weit über den Wundbereich hinaus. Denn diese Narben kehren trotz Entfernung des Gewebes nach einiger Zeit wieder zurück. Deshalb reicht hier die operative Narbenbehandlung alleine nicht aus, sondern diese wird anschließend noch mit einer Strahlenbehandlung ergänzt. Zusätzlich kann es sinnvoll sein, örtlich Glukokortikoide zu spritzen und vermehrt Vitamin A zu sich zu nehmen, um eine Rückkehr der Keloide zu verhindern.

Schleifung

Ebenfalls können sehr scharfkantige Narben behandelt werden. Mit Hilfe der Schleifung wird es möglich, deren Ränder zu glätten oder auch Aknenarben im Gesicht zu verschönern, sofern sie nicht zu tief in die Haut hinein reichen.

Je größer die Narben, desto schmerzhafter auch die Narbenbehandlung . Deshalb sollte die Schleifung bei großflächigen Narben unter Vollnarkose durchgeführt werden. Häufig kann es hierbei aber nach der eigentlich erfolgreichen Schleifung zur Neubildung des Narbengewebes, insbesondere des überschießenden Narbengewebes kommen.

 

Laserbehandlung

Ebenfalls kann eine Narbenbehandlung mit dem Laser durchgeführt werden. Damit kann überschießendes Narbengewebe abgetragen werden. Dabei ist darauf zu achten, dass man sich nur an einen Spezialisten wendet, auch wenn die Kosten hier recht hoch sind und die Laserbehandlung der Narben auch nicht von der Kasse übernommen wird. Denn entscheidet man sich für den falschen Arzt, so kann es durchaus auch zu unerwünschten Beeinträchtigungen der umliegenden Hautpartien kommen.

Kryotherapie

Auch die Kryotherapie eignet sich zur Narbenbehandlung bei überschießendem Narbengewebe. Hierbei werden die betroffenen Stellen mit flüssigem Stickstoff vereist und können danach abgetragen werden.

Kosten der Narbenbehandlung

Welche Form der Narbenbehandlung dabei am sinnvollsten ist, entscheidet der Arzt immer erst nach ausgiebiger Begutachtung der Beschaffenheit der Narben und deren Alter. Die Kosten für die Narbenbehandlung müssen in den meisten Fällen selbst getragen werden, da es sich häufig „nur“ um einen ästhetischen Fehler handelt. Sollten die Narben für Funktionsstörungen sorgen, so kann man bei der Kasse auch eine Narbenbehandlung bzw. die Kostenübernahme für eine solche beantragen. Die Entscheidung ist hierbei immer vom Einzelfall abhängig. Die Kosten richten sich ebenfalls nach Schwere der Narbenbildung und den entsprechenden Behandlungsmethoden, wobei mitunter auch schon mehrere Tausend Euro an Kosten anfallen können.

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