wenn die Schweißdrüsen zu viel leisten …

Jeder Mensch verfügt über eine große Anzahl an Schweißdrüsen. Diese kleinen Drüsen sind so genannte Anhangsgebilde der Haut. Auf der Stirn, den Fußsohlen und den Handtellern sind die Hauptfundorte für Schweißdrüsen. Aber auch über den restlichen Körper sind insgesamt etwa 2 Millionen dieser Drüsen in unterschiedlicher Dichte verteilt.

Funktionen der Schweißdrüsen

Um sich vor Krankheitserreger zu schützen, hat der Körper ein umfassendes System entwickelt. So ist nicht nur das Immunsystem im Inneren unseres Körpers zum Schutz da. Bereits auf der Haut werden die ersten Krankheitserreger abgewehrt. Dies geschieht durch die Bildung eines Säuremantels, der mit Hilfe der Schweißdrüsen gebildet wird.

Doch Schweißdrüsen können noch viel mehr. Durch die Feuchtigkeit, die an der Hautoberfläche verdunstet, reguliert der Körper seine Temperatur. Die Verdunstung an der Hautoberfläche bewirkt die Kühlung der kleinsten Blutgefäße, der Kapillaren. Man kennt den Effekt. Wir treiben Sport und kommen ins Schwitzen. So verhindert der Körper, dass er quasi überkocht. Als erstes beginnt die Schweißsekretion im Gesicht, also auf der Stirn und der Oberlippe. Hält die körperliche Belastung bzw. die Hitzeeinwirkung auf den Körper an, so breitet sich die Sekretion über den ganzen Körper aus und erreicht letztendlich Fußsohlen und Handteller. Ist hingegen Stress Ursache der Schweißbildung, so beginnt die Absonderung an den Handtellern und den Fußsohlen.

Krankhafte Veränderungen der Schweißdrüsen

Ein alter Volksmund sagt: „Schwitzen ist gesund“. In der Regel stimmt das auch, doch in einigen Fällen sind die Schweißdrüsen krankheitsbedingt so verändert, dass sie in gesteigerter Form Schweiß absondern. Diese Krankheit wird als Hyperhidrose bezeichnet. Sie kann entweder nur lokale Körperregionen oder auch den gesamten Körper betreffen. Eine weitere Erkrankung ist die so genannte Bromhidrose. Die Bromhidrose ist eine Sonderform der Hyperhidrose. Auch in diesem Fall wird vermehrt das ekkrine Schweißsekret produziert und durchfeuchtet so permanent die Hornhautschicht der Haut. Durch den Abbau von Kerratin der Hornhaut entstehen Amine und kurzkettige Fettsäuren und somit ein unangenehmer Körpergeruch. Beide Krankheitsformen stellen für den Betroffenen eine große psychische Belastung dar. Was die Hyperhidrose genau auslöst, ist nicht bekannt. Allerdings wird eine Überfunktion im vegetativen Nervensystem angenommen. Auch kommen die Schilddrüsenüberfunktion oder Störungen im Hormonhaushalt dafür in Frage. Stress gehört ebenfalls zu den Auslösern. In vielen Fällen ist aber kein besonderer Auslöser feststellbar.

Folgen der Hyperhidrose

Menschen, die an Hyperhidrose leiden, sind in ihrem privaten und beruflichen Umfeld meist sehr stark eingeschränkt. Die übermäßige Schweißbildung stellt für den Betroffenen meist eine sehr große psychische Belastung dar. In vielen Fällen zieht sich der Patient aus seinem Umfeld so weit wie möglich zurück, um unangenehmes Auffallen durch die übermäßige Schweißbildung zu verhindern.

Behandlungsmöglichkeiten

So unangenehm für den Betroffenen die übermäßige Schweißbildung ist, Hyperhidrose lässt sich mit verschiedenen Methoden behandeln. Hierzu muss aber vorher festgestellt werden, ob es sich um eine primäre Hyperhidrose handelt. Diese wird durch eine Störung im vegetativen Nervensystem ausgelöst. Bei der sekundären Hyperhidrose liegen andere Erkrankungen vor, die die übermäßige Schweißbildung verursachen, zum Beispiel eine Überfunktion der Schilddrüsen. Auch die Einnahme von Hormonpräparaten oder Parasympathomimetika können die Auslöser sein.

Wird eine sekundäre Hyperhidrose diagnostiziert, wird in erster Linie die Grunderkrankung behandelt. So wird bei übermäßigem Schwitzen infolge einer Schilddrüsenüberfunktion leidet, der sollte sich einer eingehenden Diagnostik und anschließender Behandlung der Schilddrüse unterziehen. Nähere Informationen hierzu hält der Hausarzt bereit.

Bei der primären Hyperhidrose gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten. Man unterscheidet hierbei in konservative, also nicht operative und in chirurgische (operative) Verfahren.

Aluminiumchlorid

Jeder kennt das Deodorant in der einen oder anderen Form. Für Menschen, die übermäßig stark schwitzen, gibt es auch ein so genanntes Antitranspirant. Antitranspiranten sind Stoffe, die beim Auftragen auf die Haut die Drüsenausführungsgänge verschließen und somit die Schweißbildung unterdrücken. Aluminiumchlorid ist das bekannteste Antitranspirant. Die Fertigprodukte, die auf dem Markt erhältlich sind, enthalten aber meist eine zu geringe Dosis von Aluminiumchlorid. Daher ist es zu empfehlen, sich in der Apotheke eine höherprozentige Lösung herstellen zu lassen. So wirksam Aluminiumchlorid in seiner Wirkung ist, es birgt auch Nachteile. Die Substanz wirkt hautreizend und so kommt es nach dem Auftragen in vielen Fällen zu Juckreiz und Brennen. Die betroffenen Körperstellen sind unterschiedlich empfindlich. Daher empfiehlt es sich, für die verschiedenen Regionen unterschiedlich starke Lösungen zu verwenden.

Botulinumtoxin oder auch Botox genannt

Das Botulinumtoxin wird mit vielen Einspritzungen unter die Haut gebracht und soll dort die Nervenleitungen blockieren. Da sehr viele positive Erfahrungsberichte vorliegen, wird diese Methode in den letzten Jahren immer häufiger angewandt.

Der Nachteil hierbei ist allerdings die zeitlich begrenzte Wirkung (etwa drei bis neun Monate). Bei Bedarf muss die Behandlung dann wiederholt werden. Da der Wirkstoff immer noch verhältnismäßig teuer ist und noch keine Zulassung für die Behandlung von Hyperhidrose hat, werden die Kosten dafür in den meisten Fällen nicht von den Krankenkassen übernommen.

Operative Möglichkeiten

Abschaben der Schweißdrüsen mit der Saugkürretage

Um übermäßiges Schwitzen im Achselbereich wirksam zu bekämpfen, wird eine noch relativ neue Behandlungsform angewandt: die Saugkürretage. Sie ist eine Kombination aus Absaugung und Ausschabung. Bei dieser Behandlungsmethode werden auf der einen Seite die Schweißdrüsen abgesaugt, auf der anderen Seite erfolgt eine Unterbrechung der Fasern, die vom Nervensystem herangeführt werden. Da die Schweißdrüsen nicht nachwachsen können, ist diese Behandlungsform die effektivste, da sie ein Leben lang hält. Im Vergleich zu anderen operativen Verfahren, die meist älteren Ursprungs sind, stellt die subkutane Saugkürretage eine deutlich geringere Belastung an den Patienten dar. Bereits nach wenigen Tagen ist eine Rückkehr in den Berufsalltag möglich (sofern keine allzu anstrengende Tätigkeit ausgeübt wird).

Absaugen der Schweißdrüsen

Um die Schweißdrüsen absaugen zu können, wird vor dem operativen Eingriff eine große Menge an Tumeszenzlösung unter die Haut gespritzt. Die Tumeszenzlösung besteht unter anderem aus einer Kochsalzlösung und einem Lokalanästhetikum und dient der Tumeszenzanästhesie, einer Form der Lokalanästhesie. Infolge der Einspritzung hebt sich die Haut von dem darunter liegenden Gewebe ab. Nun können die Schweißdrüsen mit Kanülen abgesaugt werden. Eine Beeinträchtigung der Nerven und der Blutgefäße findet nicht statt. Allerdings erfolgt das die Schweißdrüsenentfernung wie bei der Saugkürretage ohne Einsicht in das Operationsfeld. Daher ist es schwer zu sagen, wie viele Schweißdrüsen wirklich entfernt werden konnten. Die Zahl der entfernten Schweißdrüsen ist aber letztendlich für das Operationsergebnis ausschlaggebend.

Die Kosten, die für solche Eingriffe entstehen, betragen zwischen 1.500 EUR und 2.300 EUR, je nach Aufwand und Umfang der Behandlung. Da dies kein Eingriff ist, der aus Sicht der Krankenkassen lebensnotwendig ist, wird in der Regel keine Kostenübernahme gewährt. Allerdings beteiligen sich einige private Krankenkassen in Einzelfällen an den Behandlungskosten.

Herausschneiden der Schweißdrüsen (Exision)

Diese Behandlungsmethode ist eine der radikalsten Formen bei der Schweißdrüsenentfernung. Hierbei wird ein Teil der Haut, der die Schweißdrüsen enthält, herausgeschnitten. Da sich auch unter dem Schnittrand weitere Drüsen befinden, wird der Rand angehoben und auch diese Drüsen entfernt. Durch eine so genannte Defektdehnung wird die Haut dann wieder verschlossen.

Diese Art der Behandlung ist jedoch veraltet und wird heute auch aufgrund der häufig im Bereich der Wundheilung auftretenden Störungen und der großen und sichtbaren Narben kaum mehr angewandt.

Operative Nervenblockade (Symathikusblokade)

Die Hyperhidrose ist bedingt durch eine Überaktivität der Symathikusnerven.
Eine weitere operative Behandlungsform ist die Blockade dieser Nerven. Mit Hilfe eines Endoskops werden diese Nerven ausgesucht und mittels verschiedener Verfahren (Durchtrennung, Teilentfernung oder Clip-Schnürung) erfolgt eine Blockade der elektrischen Signalübertragung der Schweißnerven.

Je nachdem, welche Körperregion von dem übermäßigen Schwitzen betroffen ist, wird der Eingriff an den entsprechenden Stellen vorgenommen.

Mögliche Risiken und Komplikationen

Wie bei jedem chirurgischen Eingriff birgt auch die Entfernung der Schweißdrüsen ein gewisses Risiko von Komplikationen bzw. Nebenwirkungen.

Je nach Behandlungsart können Störungen in der Wundheilung auftreten. Dies ist vor allem bei der Exision der Fall. In aller Regel treten im postoperativen Verlauf, also nach der OP, treten in erster Linie Schwellungen auf, Hämatome (Blutergüsse) und Rötungen entstehen im Bereich der Hautschnitte. Auch ein länger anhaltendes Taubheitsgefühl im Bereich der Achselhöhlen ist möglich.

Vor der Operation

Um Komplikationen während des Eingriffes zu vermeiden, ist die richtige Vorbereitung zur OP ein wichtiger Faktor.

Der Eingriff wird in lokaler Anästhesie durchgeführt. Daher kann und sollte der Patient vor dem Eingriff Nahrung zu sich nehmen. Am Vorabend der OP sollten die Achselhöhlen gründlich rasiert werden. Einige Tage vor dem Eingriff ist sowohl der Tabakkonsum einzuschränken, Alkohol oder berauschende Mittel sollten gänzlich vermieden werden. Muss der Patient blutverdünnende Medikamente einnehmen, ist eine Konsolidierung des behandelnden Arztes unumgänglich. Um evtl. Entzündungen oder Blutgerinnungsstörungen zu erkennen, sollte vor dem Eingriff ein Blutbild erstellt werden. Um über alle Risiken etc. aufgeklärt zu werden, muss mindestens 24 Stunden vor der Operation ein Aufklärungsgespräch stattfinden, in dem der behandelnde Arzt ein Formblatt mit entsprechenden Aufklärungshinweisen überreicht.

Nach der Operation

Da der Patient auch nach dem Eingriff immer noch unter medikamentösem Einfluss steht, ist eine Teilnahme am Straßenverkehr ausgeschlossen.

Im direkten Anschluss an die Behandlung wird ein Druckverband angelegt, der zwei Tage lang getragen werden muss. Hierbei muss das saugfähige Material regelmäßig gewechselt werden.

Der Besuch von Schwimmbädern, Solarien oder auch Sonnenbaden ist für etwa 4 Wochen untersagt. Je nachdem, welche Sportart ausgeübt wird, kann nach etwa ein bis zwei Wochen wieder mit dem Training begonnen werden. Sollen Tätigkeiten ausgeübt werden, die den Körper stark belasten, sollte dies vorher mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.

Übt der Patient einen Beruf im kaufmännischen Bereich bzw. einen körperlich nicht belastenden Beruf aus, ist es bereits nach ein bis zwei Tagen möglich, die Arbeit wieder aufzunehmen. Die Wiederaufnahme körperlich anstrengender Arbeiten sollte im Einzelfall abgestimmt werden.

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