Männerbeine

Operative Beinverlängerung

Immer mehr Menschen in Deutschland leiden unter Kleinwüchsigkeit. Das heißt, sie sind im Wachstum bei sehr geringer Größe stehen geblieben. Natürlich gibt es für diese Menschen nicht Schöneres, als einmal größer zu sein. Doch auch andere, normalgroße Menschen leiden und fühlen sich zu klein. Für all diese Personen ist die Beinverlängerung eine Möglichkeit. Doch bevor man sich für den endgültigen Schritt entscheidet, eine Beinverlängerung durchführen zu lassen, sollte man in jedem Fall erst einmal einige Informationen über diese Art der Korrektur sammeln.
 

Geschichte der Beinverlängerung

Knochen können auch im Erwachsenenalter noch wachsen – diese Beobachtung konnte man schon etwa Mitte des 19. Jahrhunderts machen. Damals wurde dieses Wachstum auch als Kallusdistraktion bezeichnet. Die heutige Behandlungsmethode wird ebenfalls oft so bezeichnet. Dabei ist sie auf den russischen Wissenschaftler und Physiker Gavriil Abramovich Ilizarov (1921 – 1992) zurückzuführen. Jahrzehnte seines Lebens verbrachte er in Sibirien damit, die Behandlungsmethode für die Beinverlängerung zu entwickeln und stetig zu verbessern. Mit der Öffnung der Ostblockstaaten wurden dabei die ersten Methoden für eine klinische Beinverlängerung bekannt. Dabei wurden die Beine mit feinen Drähten durchbohrt. Diese waren durch Ringe um die jeweils betroffene Extremität verspannt, die wiederum durch Spindeln, Gelenke und Stangen miteinander verbunden waren. Mit diesen ersten Apparaten gelang es Ilizarov, selbst krumme Extremitäten wieder gerade zu bekommen, massive Fehlstellungen auszugleichen und eben die Beine zu verlängern. Das Ganze lief ohne sterile Operationstechniken und mit einfachsten, technischen Hilfsmitteln ab.

Diese Methode war jedoch äußerst schmerzhaft und führte durch die Fixateure oft auch zu erheblichen Infektionen. Ebenfalls erlitten die Weichteile an den Stellen, an denen die Drähte eindrangen, erhebliche, oft bleibende Schäden.

1988 wurde dann ein Forschungsprojekt an der Ludwig-Maximilians-Universität München durchgeführt. Das Ziel des Projektes war es, die Beinverlängerung zu ermöglichen, ohne dabei die extreme Nachteile der Fixateure weiterhin in Kauf nehmen zu müssen. Entstanden ist dabei der voll implantierbare, programmierbare und elektromotorische Distraktionsmarknagel. Dieser stellt heute auch die gängigste Methode zur Beinverlängerung dar.

Funktionsweise des Distraktionsmarknagels

Mittlerweile werden Marknägel aus Stahl oder Titan seit mehr als 50 Jahren in der Behandlung von Knochenbrüchen eingesetzt. Ebenfalls wird ein solcher Marknagel bei der Beinverlängerung eingesetzt. Allerdings verfügt er zusätzlich über einen eingekapselten, elektromotorischen Antrieb, der in seinem Inneren sitzt und von außen mit Energie versorgt werden kann. Die Übertragung der Energie erfolgt dabei, indem man einen Sender auf die Haut auflegt. Damit wird der Vorteil des Verfahrens klar: Die Energiezufuhr erfolgt nicht über ein Kabel, sodass die Haut vollständig verschlossen bleibt – während der gesamten Prozedur der Beinverlängerung.

Eingebaut ist ebenfalls ein kleiner Antrieb, der mit einem Mikrocomputer gesteuert wird. Dieser entwickelt dabei erhebliche Kräfte, die den Knochen in vielen winzigen Schritten Stück für Stück auseinander ziehen. Wann der Antrieb mit seiner Arbeit beginnen und enden soll, kann dabei ebenfalls über den Mikrocomputer gesteuert werden. Durch die vielen kleinen Schritte, in denen der Knochen dabei auseinander gezogen wird, entsteht eine besonders gute Grundlage für die Neubildung der Knochen bei der Beinverlängerung.

Die Haut bleibt während des gesamten Vorgangs fest verschlossen. Somit sinkt das Risiko für eine Infektion und auch die Weichteile werden nicht mehr länger belastet. Der Dehungsvorgang selbst bleibt dabei schmerzfrei, allerdings kann es bei größeren Verlängerungen der Beine dazu kommen, dass der Druck auf die Gelenke und die Anspannung der Weichteile sehr schmerzhaft werden können. Deshalb ist die intensive Krankengymnastik unabdingbar, um ein zufrieden stellendes Ergebnis zu erzielen.

Die längste Narbe, die bei diesem Verfahren entsteht, ist etwa drei Zentimeter lang. Für die Durchtrennung der Knochen bei der Beinverlängerung und das Einsetzen der Schrauben sind noch weitere Schnitte erforderlich, die allerdings nur etwa fünf Millimeter lang sind. Die Narben bleiben dabei kaum sichtbar, da die Schnitte sofort wieder verschlossen werden.

Möglichkeiten mit dem Distraktionsmarknagel zur Beinverlängerung

Anfänglich konnte man mit dem Distraktionsmarknagel nur den Oberschenkel verlängern. Maximal war hier eine Verlängerung bis zu 60 Millimeter möglich. Da aber das Verfahren stetig weiter entwickelt wurde, kann man mittlerweile den Oberschenkel bis zu 85 Millimeter verlängern, den Unterschenkel bis zu 65 Millimeter.

Wünscht man sich eine Beinverlängerung mit noch mehr Zunahme der Größe, so wird ein operativer Zwischenschritt erforderlich. Bestehen weitere Fehlstellungen wie X- oder O-Beine oder Drehungen, können diese in dieser OP ebenfalls mit bereinigt werden. Auch wenn der Knochen über lange Strecken defekt ist, was häufig nach Unfällen auftritt oder auch bei Knochentumoren, bietet der Distraktionsmarknagel bzw. die Beinverlängerung außerordentlich gute Ergebnisse.

Sollen Ober- und Unterschenkel im Zuge der Beinverlängerung verlängert werden, so wird in jeden Bereich ein eigener Distraktionsmarknagel eingesetzt. Dabei wird nur ein einziger Schnitt mit etwa drei Zentimeter Länge unterhalb der Kniescheibe nötig. Jeder Distraktionsmarknagel führt eine Beinverlängerung von einem Millimeter pro Tag durch. Das heißt, das gesamte Bein kann an einem Tag um bis zu zwei Millimeter verlängert werden, wodurch sich der Prozess an sich erheblich verkürzen lässt.

Einsatzgebiete des Distraktionsmarknagels zur Beinverlängerung

Der Distraktionsmarknagel wird im Zuge der Beinverlängerung bei verschiedenen Symptomen eingesetzt. In jedem Fall sollte man ihn dann nutzen, wenn es um eine Beinverlängerung von mehr als zwei Zentimetern geht. Aber auch bei anderen Fehlbildungen, die oft mit dem zu kurz geratenen Bein in Kombination auftreten, ist der Distraktionsmarknagel zu empfehlen. Ferner kann er zur Beinverlängerung nach Unfällen oder Knochendefekten genutzt werden. Auch wenn ein Knochentumor entnommen wurde, kann man eine Beinverlängerung am sinnvollsten mit dem Distraktionsmarknagel erreichen. Natürlich kann damit nicht nur eine einseitige Behandlung erfolgen, auch beide Beine können mit dem Distraktionsmarknagel verlängert werden.

Vorgespräch beim Arzt

Bevor es endgültig zur Beinverlängerung kommt, sollte man einen Spezialisten aufsuchen. Die meisten Kliniken und Ärzte werden ohnehin keine OP vornehmen, solange sie nicht den genauen Gesundheitszustand des Patienten kennen.

Anhand von Ganzbeinaufnahmen wird vor der Beinverlängerung also erst einmal festgestellt, wie das Bein beschaffen ist und wie man dieses behandeln kann. Der Arzt wird dem Patienten ebenfalls erklären, welche Veränderungen in seinem speziellen Fall mit Hilfe der Beinverlängerung möglich sind, und wie die Behandlung genau ablaufen wird. Ausgestattet mit einer schriftlichen Behandlungsempfehlung des Arztes für die Beinverlängerung wird der Patient sich die Sache nun erst einmal durch den Kopf gehen lassen und sich entsprechend mit Verwandten und Freunden beraten. In der Regel muss man auf einen Behandlungstermin ohnehin einige Monate warten.

Etwa sechs Wochen vor dem festgelegten Termin für die Beinverlängerung wird der Patient zu einem weiteren Gespräch mit dem jeweiligen operierenden Arzt gebeten. Hier können nochmals sämtliche Fragen geklärt werden, die im Laufe der Zeit noch aufgetreten sind.

Behandlung

Etwa einen Tag vor der geplanten OP zur Beinverlängerung sollte man sich bereits in die Klinik begeben. Die Operation selbst findet unter Vollnarkose statt und dauert in der Regel über mehrere Stunden an. Je komplexer der Einzelfall, desto länger dauert auch die OP.

Dennoch kann man häufig bereits am nächsten Tag aufstehen, wobei sogar schon eine Teilbelastung der Beine möglich ist. Allerdings muss man noch mit Gehstöcken laufen. Nach etwa sechs bis zehn Tagen kann man dann wieder nach Hause.

Bevor der Patient jedoch aus der Klinik entlassen wird, wird er mit dem Mikrocomputer vertraut gemacht. Damit kann er die Energiezufuhr für den Distraktionsmarknagel steuern. Die eigentliche Beinverlängerung findet dabei also zu Hause statt. Dennoch sollte man mindestens einmal pro Woche zur Nach- bzw. Kontrolluntersuchungen erscheinen. Dies liegt einfach daran, dass das Bein auch während der Beinverlängerung ständig ärztlich beobachtet werden sollte. Auch wird hier festgestellt, welche Wachstumsgeschwindigkeit im Einzelfall zu empfehlen ist.

Weiterhin muss man während der Beinverlängerung regelmäßig Krankengymnastik betreiben, empfehlenswert sind hier Therapien, die etwa drei Mal pro Woche stattfinden. Zusätzlich sind aber auch eigene Anstrengungen notwendig, um so die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen.

Sollen beide Beine verlängert werden, so ist es häufig so, dass man den Distraktionsmarknagel erst einmal in einem Bein einsetzt. Nach etwa vier bis sechs Wochen wird das zweite Bein mit diesem ausgestattet. So spart man Zeit bei der doch recht langwierigen Behandlung. Allerdings muss man bei dieser Variante einen Teil der Phase der Beinverlängerung im Rollstuhl verbringen.

Kurz bevor die eigentliche Beinverlängerung abgeschlossen ist, sollte nochmals eine Röntgenaufnahme erfolgen. An dieser kann der Arzt evtl. noch bestehende Probleme erkennen und diese im aktuellen Stadium auch entsprechend ausgleichen.

Risiken und Nebenwirkungen

Jeder, der sich für die Beinverlängerung entscheidet, muss sich darüber im Klaren sein, dass diese mit einer OP verbunden ist. Das heißt, hier können auch diverse Nebenwirkungen auftreten. Typische Nebenwirkungen bei der Beinverlängerung sind dabei Nachblutungen, Gefäß-Nerven-Verletzungen, Thrombosen oder auch Wundheilungsstörungen.

Ebenfalls besteht die Gefahr einer Lungenembolie, was aber auch bei jeder anderen Behandlung mit einem Marknagel gegeben ist. Ferner kann es in wenigen Einzelfällen auch zu einer Infektion, insbesondere des Knochens kommen. Dieser muss dann von außen stabilisiert werden. Hier gibt aber auch das Beratungsgespräch noch näheren Aufschluss, zumal dabei die persönlichen Risiken besser abgeschätzt werden können.

 

Kosten der Beinverlängerung

Die Kosten für eine Beinverlängerung sind sehr hoch. Sind die Beine jedoch unterschiedlich lang, oder es geht um Personen, die kleinwüchsig sind, was krankheitsbedingt ist, übernehmen die Kassen in vielen Fällen die Kosten. Dabei muss jedoch auch eine Beurteilung durch einen Internisten und eine Psychiater vorgelegt werden. Bei allen anderen Patienten zahlt die Krankenkasse die Beinverlängerung nur dann, wenn ein Bein kürzer als das andere ist.

Alle anderen Patienten gehen leer aus. Sollen beide Beine verlängert werden, so ist nur in den seltensten Fällen eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse möglich. Die Kosten müssen aus eigener Tasche getragen werden und belaufen sich für die Beinverlängerung beider Unter- oder Oberschenkel auf gut 100.000 Euro, für beide Unter- und Oberschenkel auf gut 160.000 Euro.

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